Maja K on board – Soul, Jazz und Groove in der Schiffsmühle

In der bis auf den letzten Platz ausverkauften Schiffsmühle erlebten die Besucher am 4. Juli ein Highlight unseres diesjährigen Kulturprogramms: Die Band Maja K brachte Musik mit Substanz und Bewegung auf den Getreideboden. Mit einem Repertoire aus größtenteils eigenen Kompositionen der schwedisch-amerikanischen Sängerin und Songwriterin Maja Sidebaeck verband sie Klänge von emotionaler Tiefe mit der Energie tanzbaren Grooves.

Majas schwedische Wurzeln bringen eine Vorliebe für melancholische Melodien mit sich, die in Kombination mit ihren musikalischen Erfahrungen in ihrem Jazz-Studium in New York und der dortigen Jazz-Szene einen ganz eigenen Sound geschaffen hat. Dieser bildet das Fundament für ihre Kompositionen und Arrangements – anspruchsvoll und authentisch.

Vier erfahrene und vielseitige Musiker begleiteten Majas filigrane  Performance. Frank Zinkant und Ina Burger an der Gitarre, Steffen Lehmann mit Trompete und Gesang, und Frank Vollet an den Percussions produzierten einen Sound, der von technischer Brillanz und entspanntem Understatement lebte.

Erst gegen Ende des zweiten Teils brachte Maja Sidebaek mit ihrer Interpretation des Songs „Kiss“ von Prince einen Tribut an die gängige Popmusik – sonst war alles „hausgemacht“. Danach forderte und bekam das begeisterte Publikum noch mehrere Zugaben, bevor man sich im milden Abendlicht beschwingt auf den Heimweg machte.

Deutscher Mühlentag 2026

Vielleicht waren die hochsommerlichen Temperaturen schuld daran, dass der Besucherstrom am Deutschen Mühlentag nicht ganz so stark war wie im letzten Jahr. Immerhin füllten sich nach einem etwas zähen Start allmählich die schattigen Biertische unter den Pavillons. Bratwurst und kühle Getränke waren sehr begehrt, während Kaffee und Kuchen weniger gefragt waren. Die musikalische Untermalung des Ganzen hielt sich dezent im Hintergrund und verschaffte genügend Raum für anregende Gespräche.

Auch in der Schiffsmühle drängten sich die interessierten Mühlenfreunde aus nah und fern, so dass mehrere Gruppen gleichzeitig durch die Anlage geführt werden mussten. Als besonders Highlight erlebten sie anschließend auf dem Getreideboden eine hochinteressante Präsentation unseres Gastes aus den Niederlanden, dem international anerkannten Experten für Windmühlen Petro van Doorne – hier sein Bericht.

Älteste Erwähnung von Ginsheimer Schiffsmühlen

Von unserem Mitglied Carl Guthmann, Ginsheim

Bei meinen Archivrecherchen im Rahmen einer Forschungsarbeit stieß ich mehr oder weniger zufällig auf ein Dokument, das sich unter der Signatur 1008 a, 182 a, 33-35(in) im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden befindet; siehe https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/showArchivalDescriptionDetails.action?archivalDescriptionId=3569724&executionId=4NzvOQFMkx.

Leider habe ich bisher nur das Kurzregest, d.h. die gekürzte Abschrift gelesen und noch nicht die Originalurkunde, wo möglicherweise weitere Informationen zu finden sein könnten. Darin werden Ginsheimer  Rheinmühlen im Zusammenhang einer „Eheberedung“ im Jahr 1473 zwischen Diether von Hoemberg (auch Besitzer eines nicht mehr identifizierbaren Gutshofes in Ginsheim) und seiner Frau Lyse von Scharfenstein (Besitzerin des heutigen Dauborn-Hauses, Hauptstraße 44) genannt. Letztere bringt als „Heimsteuer“ (vermutlich Aussteuer) von ihren Brüdern die Rechte am Mühlenwasser und an zwei Mühlen auf dem Rhein sowie weitere Acker- und Hofgüter mit.

Dies stellt nach derzeitigem Forschungsstand wohl die älteste Erwähnung von Schiffsmühlen in Ginsheim dar und belegt somit eine 550-jährige Tradition. Möglich ist, dass zu diesem Zeitpunkt noch weitere Mühlen existierten, allerdings ist dies eher unwahrscheinlich, da das Mühlenwasser eben explizit erwähnt wird.

Eine weitere interessante Eintragung stammt aus dem hessischen Dorfbuch des Amtes Kelsterbach aus dem Jahr 1629/1630, worin für Ginsheim drei Rheinmühlen aufgeführt werden,  die dem Landgrafen keine Abgabe gezahlt haben und somit „abgeschafft“ oder „mit Abschaffung bestraft“ werden sollen  (Quelle: Staatsarchiv Marburg, S, 50 II),  Wie diese Mühlen ausgesehen haben könnten, ist durch einen Kupferstich von Mainz aus dem Jahre 1646 von Merian gut belegt und kann auch für die Ginsheimer Mühlen angenommen werden.

Weitere Erwähnungen aus den 1660er Jahren sind in den Ginsheimer Kirchenbüchern zu finden. Sie beweisen, dass die Mühlen als regionaler Wirtschaftsfaktor durchaus bedeutsam waren. Es ist nachzulesen, dass sich viele Mühlenknechte aus fernen Ländern, wie z.B. ein Martin Märl aus dem Land ob der Enns (d.h. Oberösterreich, 1664), oder ein Judas Taddeus Rauch, molsbergischer Mühlknecht (die Molsbergs besaßen Ländereien auf den Rheininseln und eine eigene Schiffsmühle) aus Herrieden in Bayern (1703) in Ginsheim aufhielten. Berichtet wird auch über Affären der fremden Mühlburschen mit Ginsheimer Mädchen, aus denen teilweise uneheliche Kinder hervorgingen (so zum Beispiel 1669 und 1670) –  worauf sich die Väter heimlich aus dem Staub machten …

Alle diese Dokumente zeigen, dass die Mühlen damals nicht den einfachen Ortsbewohnern, sondern eher Adligen und/oder reichen Bürgern gehörten, z.B. Mainzer Patrizierfamilien wie den Scharfensteins und Molsbergs, die ohnehin schon im Ort begütert waren. Sie vermitteln außerdem einen Einblick in den damaligen – wohl nicht immer ganz sündenfreien – Alltag auf den Schiffsmühlen.